{"id":404,"date":"2017-10-17T08:36:37","date_gmt":"2017-10-17T07:36:37","guid":{"rendered":"http:\/\/demo9.cmsmart.net\/antique_3\/?p=404"},"modified":"2021-02-06T16:36:09","modified_gmt":"2021-02-06T15:36:09","slug":"geschichte-des-parfums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/parfumminis.com\/en\/geschichte-des-parfums\/","title":{"rendered":"Geschichte des Parf\u00fcms"},"content":{"rendered":"<h2>Geschichte des Parf\u00fcms<\/h2>\n<p>Die Geschichte des Parf\u00fcms beginnt in den alten Hochkulturen \u00c4gypten und Indien. In den L\u00e4ndern, deren Handwerkstradition, Spiritualit\u00e4t und Medizin schon fr\u00fch so weit entwickelt waren, dass die kostbaren Duftstoffe verarbeitet werden konnten. Die vielf\u00e4ltigen Einsatzm\u00f6glichkeiten von aromatischen Substanzen galten immer schon als eine gro\u00dfe Quelle der Inspiration \u2013 inspirieren hei\u00dft einatmen. In \u00c4gypten brachte das Goldene Zeitalter der Pharaonin Hatschepsut eine Hinwendung zum lebendigen K\u00f6rper. Was lange Zeit nur den G\u00f6ttern geopfert und den Toten auf ihre Reise mitgegeben wurde, nutzte man nun zur Parf\u00fcmierung des lebendigen K\u00f6rpers. Hergestellt wurden die Duftmischungen von den Priestern, die auf den Umgang mit Harzen, Balsamen und Salben spezialisiert waren. Die Hinwendung zum lebenden K\u00f6rper, der als Ausdruck bild\u00e4sthetischer Sch\u00f6nheitsideale seiner Zeit angesehen wurde, ist ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung von Kosmetik und Parfum. Dieser Ausdruck von angestrebter innerer und \u00e4u\u00dferer Harmonie, der sich in der Bildnisb\u00fcste der Nofretete (\u00e4gyptisch\/-koptisch\/kemisch: nafteta = \u201edie Sch\u00f6ne\u201c) spiegelt, hat sich dabei bis heute bewahrt und die Bedeutung des Wohlgeruchs \u2013 Mittel und Medium der Transzendenz, nach Ansicht der \u00c4gypter Ausdruck des Lebens \u2013 wurde zum festen Bestandteil reinigender Rituale des Kulturbildes.<\/p>\n<p>\u201eHimmel und Erde sollen \u00fcberflie\u00dfen von Weihrauch und der Duft soll im F\u00fcrstenhaus sein. Rein und makellos sollst du sie mir darbringen, damit Salbe f\u00fcr die g\u00f6ttlichen Glieder daraus ausgepre\u00dft wird.\u201c (An K\u00f6nigin Hatschepsut, 1490\u20131469 v. u. Z.)<\/p>\n<p>Das ber\u00fchmte Kyphi, eine Mischung aus Weihrauch, Styrax Amber, Zimtrinde, Opoponax, Myrrhe, Kalmus, Galgant, Benzoeharz, Oud, Sandelholz und Rosenbl\u00e4ttern, gemischt mit fetten \u00d6len, Wein und Rosinen zeigt deutlich, welcher Aufwand beim Handel mit den Rohstoffen n\u00f6tig war, die zum Teil \u00fcber weite Strecken importiert werden mussten. Die duftende Kosmetik als Kyphi bereits vor f\u00fcnftausend Jahren in Luxor bei den \u00c4gyptern bekannt, wurde sp\u00e4ter auch von Arabern \u00fcbernommen und sogar von den R\u00f6mern genutzt. In Indien, dem Land der unersch\u00f6pflichen Rohstoffquellen duftender Rohstoffe, wo vom Himalaya im Norden bis zum Indischen Ozean im S\u00fcden alles w\u00e4chst, was man f\u00fcr R\u00e4ucherrituale und parf\u00fcmierte Salben und \u00d6le nutzen kann, wurden die duftenden Pflanzenbestandteile schon fr\u00fch besonders f\u00fcr medizinische Zwecke und zur Reinigung des K\u00f6rpers benutzt. Mit dem Kamasutra ist nicht nur die Kunst eines erf\u00fcllten Liebeslebens \u00fcberliefert, sondern zugleich auch der Umgang mit aromatischen Substanzen, deren Verwendung sich jeder gebildete Mensch zu eigen machen sollte. Duftende Cremes f\u00fcr den K\u00f6rper, parf\u00fcmiertes Wachs auf die Lippen und gr\u00fcndlich geputzte Z\u00e4hne, blumengeschm\u00fcckte Kleider und Haare. Voraussetzung hierf\u00fcr war die schnelle Entwicklung von handwerklichen Techniken, mit denen erste Formen von parf\u00fcmierten Salben durch Einlegen von Blumen und Bl\u00fcten in \u00d6le und feste Fette hergestellt wurden.<\/p>\n<p>Die abendl\u00e4ndische Kultur wurde erst durch die Kreuzz\u00fcge mit den duftenden Rohstoffen und Mixturen des Orients vertraut. Bis dahin kannte man ein einfaches Lavendelwasser und bei Karl dem Gro\u00dfen (Ende 8. Jh.) findet sich eine Anordnung, die den Anbau aromatischer Pflanzen zur Verwendung in Medizin und K\u00fcche regelt. Wohlgeruch wurde zugleich als Ausdruck von Gesundheit verstanden. Nachdem Venedig zum wichtigen Handelsplatz aufgestiegen war, gelangten gro\u00dfe Mengen neuer Kr\u00e4uter, Gew\u00fcrze und andere Waren nach Europa. Nachdem die handwerklichen Kenntnisse und die technischen Voraussetzungen so weit entwickelt waren, dass man Destillate von hoher Konzentration herstellen konnte, kamen im 15 Jh. die ersten \u00e4therischen \u00d6le in den Handel. \u201eDas Destillieren ist nichts anderes, als das Subtile vom Groben und das Grobe vom Subtilen zu scheiden, das Gebrechliche oder Zerst\u00f6rbare unzerst\u00f6rbar, das Materielle immateriell, das Leibliche geistig und das Unsch\u00f6ne sch\u00f6ner zu machen\u201c, schrieb der Arzt und Alchimist Hieronymus Brunschwig um 1507. Die Entstehung (Belebung) der Parfumerie wird u. a. mit dem Eintreffen der Katharina von Medici (1519\u20131589) am Hofe von Heinrich II. in Verbindung gebracht. 1580 kommt der Alchimist und Apotheker Tombarelli nach Grasse (Frankreich) und er\u00f6ffnet ein Laboratorium zur Herstellung von D\u00fcften, womit Grasse zum Gr\u00fcnder-Zentrum der europ\u00e4ischen Parf\u00fcm-Industrie wurde. Man unterschied jedoch streng zwischen einfachen Leuten und Oberschicht. Gute Myrrhe in den Mund zu nehmen geziehmt sich f\u00fcr den einfachen Mann nicht und 1709 nimmt Lemery eine wichtige Einteilung vor, indem er zwischen einem k\u00f6niglichen Parfum und dem Parfum f\u00fcr den Bourgeois unterscheidet. Letzteres soll keinerlei \u00e4sthetische Wirkung erzielen, sondern lediglich die Luft desinfizieren. Parfum hatte dieser Auffassung nach zugleich therapeutische Wirkung, es belebt den Geist, st\u00e4rkt den K\u00f6rper und gilt als wichtige Waffe im Kampf gegen die Pest. Parfum entz\u00fcckt die Sinne, es reinigt, es sch\u00fctzt und ist zugleich Symbol f\u00fcr materiellen Wohlstand. Die Erkenntnis, dass beim Bade schadhafte Keime den K\u00f6rper befallen k\u00f6nnten, bef\u00f6rderte den massenhaften Einsatz der Duftw\u00e4sser, die zum unverzichtbaren Hilfsmittel bei der t\u00e4glichen Toilette wurden, die auf Wasser als Reinigungsmittel verzichtete \u2013 Eau de Toilette.<\/p>\n<p>Bestandteile und Herkunft<br \/>\nGrundbestandteile eines Parf\u00fcms sind haupts\u00e4chlich Alkohol (rd. 80 %), destilliertes Wasser und darin gel\u00f6ste nat\u00fcrliche Essenzen (\u00e4therische \u00d6le pflanzlicher oder tierischer Herkunft), sowie immer mehr synthetisch hergestellte Duftstoffe. Die Fachbezeichnung f\u00fcr nat\u00fcrliche \u00d6le und synthetische Duftstoffe (chemicals) lautet \u201eRiechstoffe\u201c . Die meisten einheitlichen Riechstoffe werden heute in gr\u00f6\u00dferen Mengen synthetisiert. Bei der Suche nach neuen Duftstoffen h\u00e4ngt der Fortschritt \u2013 nach Einsch\u00e4tzung von Ernest Beaux, Kompositeur des bekannten Parf\u00fcms Chanel No. 5 \u2013 zuerst von den Forschungsarbeiten der Chemiker ab.<\/p>\n<p>Die Deklaration erfolgt seit 2005 EU-weit nach dem INCI-System. Die EU_Richtlinie_2004_93_EC mit der Deklarationspflicht f\u00fcr 26 \u201eAllergene\u201c tr\u00e4gt eher noch zur Verwirrung bei, denn: \u201eEs zeigt sich, dass eine ganze Reihe der 26 Stoffe falsch bewertet wurden.\u201c Lediglich 7 davon f\u00fchren bei \u00d6ko-Test zu einer Abwertung.<br \/>\nVerd\u00fcnnungsklassen<br \/>\nEs werden, abh\u00e4ngig von der Konzentration an Duftstoffen innerhalb einer Mischung, folgende Verd\u00fcnnungen unterschieden:<\/p>\n<p>Eau de Solide (EdS), Splash Cologne , Edition S, Splash Perfumes (1\u20133 %)<br \/>\nEau de Cologne (EdC), K\u00f6lnisch Wasser\/K\u00f6lnischwasser (3\u20135 %)<br \/>\nEau de Toilette (EdT; 6\u20139 %) \u2013 bei sogenannten Extr\u00e8me-\/Extreme- oder Intense-Varianten auch mehr<br \/>\nEau de Parfum (EdP; 10\u201314 %) \u2013 Intense-Varianten: bis 20 %<br \/>\nExtrait Parfum (Parfum\/Parf\u00fcm; 15\u201330 %) \u2013 Intense-Varianten: bis 40 %<br \/>\nDer Riechstoffanteil hat sich seit dem 17. Jahrhundert vom EdC \u00fcber EdT zum EdP stetig erh\u00f6ht. Extr\u00e8me- oder Intense-Varianten enthalten noch mehr \u00e4therische \u00d6le. Bei den Auflistungen zur Konzentration sollte aber immer ber\u00fccksichtigt werden, dass es eine Vielzahl von unterschiedlichen Auffassungen und Beschreibungen gibt, die zum Teil deutlich voneinander abweichen. Die oben genannten ver\u00f6ffentlichten Angaben decken sich mit denen des H&amp;R Buches Parfum (siehe Literaturtipps). Martinetz\/Hartwig bspw. schreiben: Eau de Toilette von 5 bis 8 %, beim Eau de Parfum von 8 bis 10 % und beim (Extrait) Parfum von 10 bis 25 %.<\/p>\n<p>Duftintensit\u00e4t und Duftwirkung<br \/>\nJe nach Zusammensetzung des Duftes haben Parf\u00fcms unterschiedliche Duftintensit\u00e4ten und Duftwirkungen. Riechstoffauswahl und Riechstoffkonzentration beeinflussen sowohl die Duftintensit\u00e4t als auch die Duftwirkung. Dabei werden folgende Schwellenwerte beobachtet:<\/p>\n<p>Duftwirkungs-Schwelle, ab dieser noch nicht wahrnehmbaren Intensit\u00e4t reagiert der K\u00f6rper auf den Duft,<br \/>\nWahrnehmungs-Schwelle, Aura, man riecht etwas, kann es jedoch noch nicht zuordnen,<br \/>\nErkennbarkeits-Schwelle, Duft ist erkennbar und benennbar; mit steigender Duft-Intensit\u00e4t wandelt sich der Duft von:<br \/>\n\u201aangenehmer Duft\u2018 \u00fcber:<br \/>\n\u201aaufdringlicher Duft\u2018 bis hin zur:<br \/>\nFlucht-Schwelle, die unbewusst eine Fluchtreaktion ausl\u00f6st.<br \/>\nDuftnoten<br \/>\nEin Parf\u00fcm kann durch unterschiedliche Anteile der Grundbestandteile sehr viele verschiedene Duftnoten annehmen. Es kann beispielsweise blumig-feminine, maskuline, orientalische, fruchtige, pudrige, zitrusfrische oder klassisch-elegante Duftnuancen aufweisen.<\/p>\n<p>Die meisten Parf\u00fcms setzen sich aus Kopf-, Herz- und Basisnote zusammen. Ausnahme sind beispielsweise viele EdC, die haupts\u00e4chlich aus Zitrusd\u00fcften (Kopfnoten) und Herznoten bestehen.<\/p>\n<p>Die Kopfnote ist unmittelbar in den ersten Minuten nach dem Auftragen des Parf\u00fcms auf der Haut wahrnehmbar. Da sie f\u00fcr den ersten Eindruck und die Kaufentscheidung wichtig ist, ist die Kopfnote meist intensiver als die anderen und wird von leichtfl\u00fcchtigen Duftstoffen gepr\u00e4gt. F\u00fcr gew\u00f6hnlich setzt sie sich aus leichten Duftnoten zusammen, aber es k\u00f6nnen auch schon Teile von Herz- und Basisnote anklingen.<br \/>\nDie Herznote ist in den Stunden, nachdem sich die Kopfnote verfl\u00fcchtigt hat, zu riechen und bildet den eigentlichen Duftcharakter (das Herzst\u00fcck). In der Herznote finden sich meistens Bl\u00fctennuancen, die mit anderen Aromen kombiniert werden. Sie wird h\u00e4ufig auch als Mittelnote bezeichnet.<br \/>\nDie Basisnote ist der letzte Teil des Duftablaufes und enth\u00e4lt langhaftende und schwere Bestandteile.<br \/>\nParf\u00fcms k\u00f6nnen relativ lange gelagert werden, am besten in einem dunklen und k\u00fchlen Raum, damit kein Licht, keine Feuchtigkeit und keine Hitze das Parf\u00fcm verfliegen l\u00e4sst oder den Duft beeintr\u00e4chtigt. Bei zu langer oder schlechter Lagerung kann es zu einer unangenehmen Ver\u00e4nderung des Duftes kommen.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Duftbausteine<br \/>\nDie wichtigsten Duftbausteine sind synthetisierte Riechstoffe und nat\u00fcrliche Riechstoffe, die uns an Bl\u00fcten, Fr\u00fcchte, Gew\u00fcrze, Rinde und Harz, Bl\u00e4tter, Gr\u00e4ser, Moose, Beeren, Wurzeln, tierische Sekrete und sogenannte Gourmand-Noten erinnern.<\/p>\n<p>Zu den wichtigsten Bl\u00fcten geh\u00f6ren Pelargonien, auch afrikanische Geranium (Storchenschn\u00e4bel) genannt, Hyazinthe, Jasmin (nur in h\u00f6chst aufwendigem, mehrstufigem Verfahren zu gewinnen, eine Tonne Bl\u00fcten ergibt ein Kilo Absolue), Lavendel (das in der Parf\u00fcmerie wohl am meisten verwendete \u00e4therische \u00d6l), Maigl\u00f6ckchen, Mimose, Neroli (wird aus den Bl\u00fcten des Bitterorangenbaums gewonnen), Osmanthus (in modernen Fantasienoten), Rose (die Bl\u00fctenbl\u00e4tter werden einzeln gezupft; einer der am h\u00e4ufigsten verwendeten Bl\u00fctenduftbausteine), Tuberose (Nachthyazinthe) (einer der teuersten Duftstoffe, wird durch Enfleurage gewonnen), Veilchen, Ylang-Ylang<\/p>\n<p>Zu den wichtigsten Fr\u00fcchten geh\u00f6ren Bergamotte, Grapefruit, Limette, Orange (wird aus den Fruchtschalen des Orangenbaums gewonnen), Orange bitter (wird aus den Fruchtschalen des Bitterorangenbaums gewonnen), Zitrone, Pfirsich, Gr\u00fcner Apfel, Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Pflaume, Kokos, Cassis (schwarze Johannisbeere)<\/p>\n<p>Gew\u00fcrze sind vor allem Anis, Ingwer, Kardamom, Koriander, Muskatnuss, Nelken (verwendet werden Bl\u00fcten und Bl\u00e4tter), Piment (Nelkenpfeffer), Rosmarin (h\u00e4ufig verwendet), Vanille, Zimtrinden\u00f6l<\/p>\n<p>Auch Rinden und Harze kommen zum Einsatz: Benzoe Siam, Elemi (h\u00e4ufig in Foug\u00e8re-Kompositionen), Myrrhe, Mastix, Guajak, Copaiba, Olibanum (Weihrauch), Opopanax, Perubalsam\u00f6l, Rosenholz, Sandelholz, Styrax, Tolubalsam, Zedernholz, Wacholder<\/p>\n<p>Bl\u00e4tter, Gr\u00e4ser, Moose, Beeren, Wurzeln: Malabar- oder Citronella, Baum- und Eichenmoos (gibt einer Duftkreation W\u00e4rme und Haftfestigkeit), Galbanum, Iriswurzel (sehr wertvoll und von hoher Originalit\u00e4t), Lorbeer, Muskatellersalbei, Patschuli (ein wichtiger Dufteckpfeiler), Petitgrain (wird aus den gr\u00fcnen Teilen des Bitterorangenbaums gewonnen, Bl\u00e4tter, Zweige, unreife Fr\u00fcchte), Tabakbl\u00e4tter (f\u00fcr echte Tabaknoten unerl\u00e4sslich), TonkabohneTonkabohnen-Resinoid\/Coumarin, Veilchenbl\u00e4tter, Vetiver aus der Wurzel gewonnen, Wacholderbeeren, Zypresse<\/p>\n<p>Tierische Sekrete wie Amber, Castoreum und Moschus (einer der \u00e4ltesten und sagenumwobensten Duftbausteine), werden heute fast nur noch in synthetischer Form eingesetzt, Zibet<\/p>\n<p>Neben \u00e4therischen \u00d6len gibt es nat\u00fcrliche Rohstoffe in den Qualit\u00e4ten Concretes, Resinoide und Absolues.<\/p>\n<p>Gourmand-Noten: Schokolade, Karamell, Zucker, Zuckerwatte, Honig, S\u00fc\u00dfe Milch, Mandel sind im 21. Jahrhundert vermehrt gefragt.<\/p>\n<p>Synthetische Duftstoffe: Hier k\u00f6nnen nur einige Beispiele genannt werden. Auf die Aufz\u00e4hlung chemischer Formeln wird verzichtet: Aldehyde (f\u00fcr die Parf\u00fcmerie von \u00fcberragender Bedeutung), Cumari, Heliotropin, Vanillin, Maltol (intensiv s\u00fc\u00df, warm, fruchtig, karamellartig). Moschus Keton und Moschus Xylol ersetzten und Phenole verf\u00e4lschten das tierische Moschus, polycyclische Moschusverbindungen sind seit 2005 endg\u00fcltig verboten. Zwei bekannte und sehr gebr\u00e4uchliche synthetische Moschusk\u00f6rper der modernen Parf\u00fcmerie sind das Galaxolide und das Ethylene Brassylate. Weitere Riechstoffe von gro\u00dfer Bedeutung sind z. B. Linalool, Linalyl acetate, Citral, Citronellol, Damascon, Himbeer-Keton, Farnesol, Hexylacetate, Alpha Jonon, Beta Jonon. Zum Teil sind es Stoffe, die auch in (nat\u00fcrlichen) \u00e4therischen \u00d6len enthalten sind und die zugleich als Allergene deklariert werden m\u00fcssen.<br \/>\nDuftfamilien<br \/>\nDie Parf\u00fcmerie war stets um Klassifizierungen bem\u00fcht, wobei man nicht unbedingt jede Note zweifelsfrei bestimmen kann und muss. Wenn man die verschiedenen D\u00fcfte neun unterschiedlichen Duftfamilien zuordnet, erh\u00e4lt man eine zumindest brauchbare Systematik. Man kann im einzelnen dar\u00fcber streiten, ob einige der genannten Kategorien \u00fcberfl\u00fcssig sind oder sich sinnvoll erg\u00e4nzen. Gerade Gourmand-Aromen und tropische D\u00fcfte sind in eine klassische Unterteilung nur schwer zu integrieren.<\/p>\n<p>Zitrusnoten (Agrumen\/Hesperiden)<br \/>\nBlumige Noten<br \/>\nFougere-Noten (franz\u00f6sisch Farn)<br \/>\nChypre-Noten (franz\u00f6sisch Zypern \u2013 Diese Duftfamilie wurde 1917 durch den ber\u00fchmten Parfumeur Fran\u00e7ois Coty eingef\u00fchrt.)<br \/>\nHolzige Noten<br \/>\nOrientalische Noten<br \/>\nLedernoten (Juchten und Tabac)<br \/>\nGourmand-Noten<br \/>\nTropische Noten<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wird man auch Unterteilungen finden, die Gew\u00fcrze und Kr\u00e4uter einzeln auff\u00fchren, die aldehydische Parf\u00fcms extra benennen und sogar farbliche Zuordnungen sind m\u00f6glich; so werden besonders Gr\u00fcne Noten h\u00e4ufig als eigene Gruppe genannt. Eine wichtige und seri\u00f6se Quelle ist die 1990 von Jean Kerl\u00e9o gegr\u00fcndete Soci\u00e9te francaise des parfumeurs, wo man auch Informationen zu den Duftfamilien erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche Verwendung und Vertr\u00e4glichkeit<br \/>\nDas Parf\u00fcm als Wohlgeruch wird sowohl von Frauen als auch von M\u00e4nnern haupts\u00e4chlich dazu verwendet, die eigene Pers\u00f6nlichkeit und den eigenen Geschmack oder Stil zu unterstreichen. Dabei entwickelt sich jede Duftnote auf der Haut verschiedener Menschen unterschiedlich. Daher ist es wenig sinnvoll, D\u00fcfte nach dem Eindruck auf einem Teststreifen oder auf der eigenen Haut an andere Personen zu verschenken. D\u00fcfte sollten auf gut durchbluteten Stellen aufgespr\u00fcht werden, wie an den Handpulsen, an der Pulsader am Hals und hinter den Ohren.<\/p>\n<p>Allergiker und Kinder k\u00f6nnen auf verschiedene Parf\u00fcms unterschiedlich reagieren und sollten an einer kleinen unauff\u00e4lligen Stelle die Vertr\u00e4glichkeit testen. Ein zweiter Test sollte im Abstand von zehn Tagen stattfinden. Erst wenn auch nach dem zweiten Test Hautreizungen auftreten, besteht tats\u00e4chlich der Verdacht auf Irritation oder Allergie: Bei einer Allergie hilft nur das Meiden der Allergene oder eine Hyposensibilisierung durch einen erfahrenen Arzt. Bei der sehr h\u00e4ufig auftretenden Irritation gen\u00fcgt es, die Konzentration und\/oder die Anwendungsh\u00e4ufigkeit auf ein normales Ma\u00df herabzusetzen.<\/p>\n<p>In der Europ\u00e4ischen Union werden seit 1997 derzeit 26 Duftstoffe als potentiell allergieausl\u00f6send eingestuft. Diese \u201eallergenen Duftstoffe&#8220; d\u00fcrfen in kosmetischen Produkten enthalten sein, m\u00fcssen jedoch ab einer bestimmten Menge im Rahmen der Liste der Bestandteile mit ihrer jeweiligen Bezeichnung der Internationalen Nomenklatur f\u00fcr kosmetische Inhaltsstoffe (INCI = International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) einzeln benannt werden.<\/p>\n<p>Wirtschaft<br \/>\nUm den Verkauf von Parf\u00fcm zu steigern und damit sich die Kunden vor dem Kauf mit den unterschiedlichen D\u00fcften vertraut machen k\u00f6nnen, werden Testflakons (mit etwa 2 ml Inhalt) zum Ausprobieren zur Verf\u00fcgung gestellt. Kleine 5-ml-Flakons werden f\u00fcr Sammler angeboten. Die gro\u00dfen und kleinen Flakons (Dummies) f\u00fcr Dekorationszwecke werden Facticen genannt.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele bekannte Modehersteller sind die Lizenzen f\u00fcr D\u00fcfte und Kosmetika eine sehr wichtige Einnahmequelle. Daneben finden Parf\u00fcms in vielen Produkten eine Verwendung. Hauptbereich sind Produkte f\u00fcr die K\u00f6rperpflege, aber auch Lebens- und Genussmittel (zum Beispiel S\u00fc\u00dfigkeiten, Zigaretten, Tees) k\u00f6nnen parf\u00fcmiert\/aromatisiert sein, um ein bestimmtes Geruchs-\/Geschmackserlebnis zu erzeugen. Mittlerweile werden gar ganze Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume parf\u00fcmiert, um bestimmte Sinneseindr\u00fccke zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Als Hauptstadt des Parf\u00fcms gilt seit dem 19. Jahrhundert die franz\u00f6sische Stadt Grasse im D\u00e9partement Alpes-Maritimes. In Deutschland sind seit 1945 neben Leipzig vor allem Holzminden und die Region Ostw\u00fcrttemberg Duftzentren.<\/p>\n<p>Markt<br \/>\nDer Umsatz mit Damen- und Herrend\u00fcften der sogenannten Prestige- und Luxuskategorie (die preiswerten D\u00fcfte nicht ber\u00fccksichtigt) betrug laut Fragrance Foundation 2004 in Deutschland 790 Millionen \u20ac (Vorjahr 773 Millionen \u20ac). In einer Umfrage gaben 59 % der Frauen ab 14 Jahren an, innerhalb der letzten Woche Duftwasser verwendet zu haben; bei M\u00e4nnern lag der entsprechende Anteil nur bei 35 % (allerdings verwendeten 65 % ein Rasierwasser). Gegenw\u00e4rtig sind insgesamt 1100 D\u00fcfte im Handel erh\u00e4ltlich, jedes Jahr werden rund 200 neue D\u00fcfte eingef\u00fchrt, davon ungef\u00e4hr 60 bis 80 Luxusd\u00fcfte. 97 % der Neuerscheinungen werden binnen drei Jahren wieder eingestellt, da sie sich nicht wirtschaftlich am Markt durchsetzen konnten.<\/p>\n<p>Bedeutende Duftstoffproduzenten<br \/>\nGivaudan mit Quest International<br \/>\nInternational Flavors &amp; Fragrances (IFF)<br \/>\nSymrise, Holzminden und N\u00f6rdlingen\/Ries \u2013 (neben Leipzig) Zentren der deutschen Riechstoff-Industrie<br \/>\nFragrance Resources<br \/>\nFirmenich<br \/>\nTakasago<br \/>\nLiteratur<br \/>\nMandy Aftel: Die Kunst der Alchimisten \u2013 Alles \u00fcber Parfum. 1. Aufl. R\u00fctten &amp; Loening, Berlin 2004. ISBN 3-352-00654-7<br \/>\nAlain Cobin: Pesthauch und Bl\u00fctenduft. Eine Geschichte des Geruchs. Wagenbach Verlag. ISBN 3-8031-3618-0<br \/>\nJanina Drostel: Lavendel, Zimt und Rosenholz \u2013 Die Welt der sinnlichen D\u00fcfte. Thorbecke Verlag, Ostfildern 2006.<br \/>\nISBN 978-3-7995-3522-9<br \/>\nHans Henning: Psychologische Studien am Geruchssinn. In: Emil Abderhalden (Hrsg.): Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden. #189, Abt. VI, Teil A. Verlag Urban und Schwarzenberg, Berlin und Wien 1926. S. 741\u2013839<br \/>\nHeiner Meininghaus, Christa Habrich: D\u00fcfte und edle Flakons aus f\u00fcnf Jahrhunderten. Arnoldsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1998.<br \/>\nISBN 3-925369-82-1<br \/>\nAndrea Hurton: Erotik des Parf\u00fcms. Geschichte und Praxis der sch\u00f6nen D\u00fcfte. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1991. ISBN 3-8218-1299-0<br \/>\nDieter Martinetz, Roland Hartwig: Taschenbuch der Riechstoffe. 1. Aufl. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 1998. ISBN 3-8171-1539-3<br \/>\nAlfons M. Burger: Leitfaden der modernen Parfumerie. Walter de Gruyter &amp; Co., Berlin 1930<br \/>\nPaul Jellinek: Die Psychologischen Grundlagen der Parf\u00fcmerie. Untersuchungen \u00fcber die Wirkungen von Ger\u00fcchen auf das Gef\u00fchlsleben. Dr. Alfred H\u00fcthig Verlag, Heidelberg 1951<br \/>\nPaul Jellinek: Praktikum des modernen Parfumeurs. Dr. Alfred H\u00fcthig Verlag, Heidelberg 1960<br \/>\nH&amp;R Lexikon Duftbausteine. Gl\u00f6ss Verlag, Hamburg 1985<br \/>\nH&amp;R Buch Parfum. Gl\u00f6ss Verlag, Hamburg 1985<br \/>\nHanns Hatt &amp; Regine Dee: Das Maigl\u00f6ckchen Ph\u00e4nomen \u2013 Alles \u00fcber das Riechen und wie es unser Leben bestimmt. 1. Aufl. Piper, M\u00fcnchen\/Z\u00fcrich 2008. ISBN 978-3-492-05224-5<br \/>\nVigarello, Georgess: Wasser und Seife, Puder und Parfum \u2013 Geschichte der K\u00f6rperhygiene seit dem Mittelalter. Campus Verlag, Frankfurt\/New York 1992. Reihe Campus, Band 1057<br \/>\nG\u00fcnther Ohloff: Irdische D\u00fcfte, himmlische Lust. Kulturgeschichte der Duftstoffe. 1. Aufl. Insel Verlag, Frankfurt am Main\/Leipzig 1996. (Insel-Taschenbuch) #1777. ISBN 978-3-458-33477-4. 357 S.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte des Parf\u00fcms Die Geschichte des Parf\u00fcms beginnt in den alten Hochkulturen \u00c4gypten und Indien. In den L\u00e4ndern, deren Handwerkstradition, Spiritualit\u00e4t und Medizin schon fr\u00fch so weit entwickelt waren, dass die kostbaren Duftstoffe verarbeitet werden konnten. Die vielf\u00e4ltigen Einsatzm\u00f6glichkeiten von aromatischen Substanzen galten immer schon als eine gro\u00dfe Quelle der Inspiration \u2013 inspirieren hei\u00dft einatmen. 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